... immer mehr Ich ~ * ~
10.1.2010
Was mir persönlich sehr wichtig ist, ist dass es leichter wird in meinem Leben. Ich fand leben immer sehr anstrengend; unten drunter (oder auch über allem) lag immer eine große Anspannung. Und ab
dem frühen Teenageralter habe ich das zunehmend bemerkt und mir viele Gedanken gemacht. Für die anderen schien vieles irgendwie anders zu sein als für mich. Einfacher? Warum konnte ich nicht
wirklich genießen? Es schien doch eigentlich alles in meinem Leben in Ordnung zu sein ...? Ich erinnere mich, in diesem Moment lag ich in einem Hotel-Pool in Tunesien, es war ein strahlender
Vormittag. Vor kurzem hatte meine Mutter neu geheiratet, wir waren in ein großes Haus mit schönem Garten umgezogen,... man könnte sagen, lauter Verbesserungen. Es waren wirklich viele schöne
Dinge in meinem Leben passiert.
Und trotzdem konnte ich nicht glücklich sein? Vielleicht, so dachte ich damals, lag es daran, dass ich meine Geige nicht dabei hatte und kein einziges bisschen üben konnte vorm nächsten
Unterricht? Ich bemühte mich, dieses Glücksgefühl zu fühlen, das ich meinte, aber es gelang mir nicht.
Erst viele Jahre später merkte ich bewusst, dass da so etwas wie eine Trennung in meinem Leben war. Dass es etwas gab, was ich sehr liebte und wonach in mich unendlich sehnte, etwas, womit ich
immer zusammen sein wollte. – Das bezog sich nicht auf einen anderen Menschen, es war einfach ein Gefühl. – Es fiel mir auf, dass ich mich morgens an der Wohnungstür, auf dem Weg zur Arbeit, von
etwas verabschiedete, was ich sehr liebte, als würde ich einen Freund zurücklassen: „Bis nachher, heute Abend bin ich wieder da.“ Und damit war ich sehr unglücklich und traurig. Ich wollte das
nicht. Ich wollte mich nicht mehr von etwas für mich so wesentlichem trennen: Ich wollte nicht mehr ohne Mich sein, ich wollte mit Mir sein! – So fühlte sich das an. – Das wurde sehr wichtig in
meinem Leben.
Diese unangenehme, ermüdende Anspannung und dieses für mich so unglückliche Gefühl von Getrenntsein, begannen langsam weniger zu werden, als ich begonnen habe, sanfter zu atmen, meinen eigenen
Atem (mehr) kennenzulernen und seinen-meinen eigenen natürlichen Fluss zu erlauben.
Heute weiß ich, dass mein Atem meine Verbindung ist zu mir, zu all dem Mehr von mir, was ich so lange vermisst habe. Und es ist ein großes Geschenk für mich, was ich vor ein paar Jahren langsam
begonnen habe anzunehmen, wenn ich meinen Atem fließen lasse und wieder mit Mir in Kontakt bin und mir erlaube, das hier hineinfließen zu lassen auf die Erde, in mein Leben als Mensch. Das ist
etwas, was mich sehr glücklich macht.
In meinem Leben hat sich viel verändert in der Zwischenzeit. Meine tiefe innere Sehnsucht wird gestillt, meine Sehnsucht nach mir selbst.... ich komme mir jeden Tag ein bisschen näher.
* * *
Was ich so oft „meinen Atem“ nenne, ist der Bewusste Atem, der natürliche, freie Fluss meines Atems, den ich so liebe, der beginnt in meinen menschlichen Atem Einzug zu halten, je weiter ich
die unangenehme Anspannung schmelzen lasse. Das fühlt sich für mich so sehr Ich an, da ist nichts Getrenntes mehr!
~*~