... immer mehr Ich ~ * ~
Man muss auch mal ausweinen. - Das war mir schon als Kind so deutlich. Einfach aufhören hilft nicht. Der Schmerz ist
nämlich immer noch da.
(Aus-)Weinen dürfen, den Schmerz nicht (mehr) wegdrängen, ist etwas ganz Wichtiges für mich.
Besonders deutlich wird das, während wieder eine Welle von Gefühlen hereinschwappt; alte Verhaltensweisen und Gewohnheiten, mit denen ich in Kontakt komme, die sich heute gar nicht mehr stimmig
anfühlen für mich, die ich aber sehr gut kenne; Anteile von mir, die ich nachhause kommen lassen kann.
Wenn ich mich darauf einlasse und Spannung sich löst, "muss" ich manchmal weinen. Mal fließen mehr Tränen, mal weniger, mal länger, mal kürzer. Das ist ganz unterschiedlich. Entscheidend ist, den
Schmerz sich lösen zu lassen, anstelle in den Tränen unterzugehen. Wenn ich nicht hineingehe (im Schmerz versinken) und auch nicht davonlaufe (es nicht fühlen wollen), sondern einfach da
bleibe und wahrnehme (auch den Anteil, der das vielleicht gar nicht fühlen will), beginnt mein Atem nach einer Weile von selbst (wieder) ruhiger und runder zu werden. Ein Stückchen mehr von mir
ist auf dem Weg nachhause.
Mir tut es gut, dann ganz sanft zu sein, während ich etwas tue oder "nur" auf dem Bett sitze oder liege und atme. Dann kann ich gut zusammenschmelzen mit mir, ein Gefühl für das Fließenlassen
bekommen, für den Fluss, der mich trägt, die Liebe meiner Seele annehmen und wieder ein Stückchen mehr Vollständigkeit erfahren.